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Bericht von "NZZ Format" Bambus - die Superfaser der Natur(www-x.nzz.ch/format)

Unter optimalen Bedingungen wächst das Supergras über einen Meter im Tag – mehr als irgendeine andere Pflanze. Deshalb vermag kein Baum soviel CO2 zu binden wie Bambus. Die Wunderpflanze wächst auch in nährstoffarmen Böden, verbessert deren Struktur und verhindert Bodenerosion. Die Bambusfaser verfügt über einzigartige Biegsamkeit bei grosser Druck- und Stossfestigkeit, vergleichbar nur mit Stahl. Deshalb lassen sich aus Bambus nicht nur günstige, sondern auch erdbebensichere Häuser und Brücken bauen.
Immer häufiger findet Bambus auch als Holzersatz Verwendung. In China entsteht eine ganze Bambus-Industrie, denn aus den Bambus-Fasern lassen sich Papier und hochwertige Stoffe herstellen. Auch Bambus-Parkett wird immer beliebter; in den USA ist bereits jeder dritte Parkettboden aus Bambus. In seiner tropischen Heimat dient der Bambus Hunderten von Millionen Menschen traditionell als Energielieferant und Baumaterial.
Viele Experten glauben, der grossflächige Anbau von Bambus könne einige der grössten Umweltprobleme des 21. Jahrhunderts lösen helfen: Klimawandel, Bodenerosion, Regenwaldabholzung und Wassermangel. «Wer Bambus pflanzt, der pflanzt Wasser», sagen die Chinesen. Dank seines feinen Wurzelgeflechts und seiner Eigenschaften als Wasserspeicher hebt der Bambus den Grundwasserspiegel rasch und nachhaltig.
Bambus erfreut sich in unseren Breitengraden einer immer grösseren Beliebtheit und wird immer öfter auch in privaten Gärten angepflanzt. Im Botanischen Garten in Hamburg ist eine grosse Sammlung verschiedener Bambusarten zu bewundern. In Hamburg ist auch der emeritierte Professor Walter Liese zu Hause, der weltweit als führende Kapazität der biologischen Bambuskunde gilt.
Statement Walter Liese, Professor für Holzbiologie:
«Bambus gab es in Deutschland, gab es in Europa vor der Eiszeit. Aber seitdem gab es keinen Bambus mehr. Wir hatten im Kriege, vor dem Kriege nur den tropischen Bambus. Und der Bambus, der heute überall wächst und gerne angepflanzt wird, weil er im Winter ein schönes, grünes Element darstellt, ist bei uns erst vor 10, 15 Jahren bekannt geworden. Das ist Bambus, der nach dem Kriege meist aus China importiert worden ist, aus temperierten Zonen und eine Temperatur von – 20 Grad, je nach Art, verträgt. Bambus ist in seinen Herkunftsländern ein unentbehrliches Material. Es gibt über 1000 Gegenstände, die aus Bambus gefertigt werden können, gefertigt werden und genutzt werden.»
Auf der tropischen Insel Bali in Indonesien wachsen unzählige tropische Bambusarten. Seit Urzeiten wird Bambus dort für alle möglichen Zwecke genutzt, am augenscheinlichsten beim Hausbau.
Auch das ausgeklügelte Bewässerungssystem, das, den auf Bali so wichtigen Reisanbau, in seiner Intensität erst möglich macht, nutzt den Bambus für den Wassertransport.
Und im reichen spirituellen Leben der hinduistischen Insel spielt der Bambus eine wichtige rituelle Rolle.
In vielen Dörfern sorgen Bambusschindeln dafür, dass die Balinesen ein Dach über dem Kopf haben.
Statement Walter Liese, Professor für Holzbiologie:
«Ich war an der Gründung der ‚Environmental Bamboo Foundation’ vor ungefähr 20 Jahren in Ubud, einer wichtigen Stadt auf Bali, beteiligt. Der Begründer der ‚Environmental Bamboo Foundation’ ist Linda Garland. Sie hat auf Bali wunderschöne Bambus Konstruktionen errichtet. Sie ist in andere Länder gebeten worden, um dort exquisite Bambushäuser zu errichten.»
Linda Garland entstammt dem britischen Hochadel und kam Mitte der 70er Jahre als junge Designerin und Architektin nach Bali. Fasziniert von den reichen kunsthandwerklichen Traditionen der Balinesen machte sie die Insel zu ihrem Lebensmittelpunkt und schuf sich in Bali ein eigenes kleines Reich. Ihre balinesischen Kreationen machten sie bald zu einer der begehrtesten Designerinnen für den internationalen Jetset, für den sie einige der exklusivsten Ferienhäuser in Asien und der Karibik entwarf und baute.
Statement Linda Garland, Environmental Bamboo Foundation:
«Alles begann damit, dass ich Bambusmöbel herzustellen begann. Dabei bemerkte ich, wieviele schöne Dinge aus Bambus hergestellt werden und die Schönheit des Bambus weckte mein Interesse. Dann erst realisierte ich, wie wichtig Bambus für die Umwelt ist. Ich begann, den Bambus zu studieren und realisierte, dass Bambus das nachhaltige Holz der Zukunft ist.»
«Ich bin Designerin. Ich bin keine Umweltaktivistin und habe nichts so studiert. Ich war einfach eine besorgte Bürgerin, die realisierte, dass unsere Welt sich in einem schlechten Zustand befindet. 1990 flog ich über Borneo und sah das ganze Ausmass der Zerstörung: Der ganze Regenwald war verschwunden. Damals beschloss ich, etwas zu tun und ich war gerade auf Bambus gestossen. Na ja, und seither ist einiges geschehen.»
Im Aufrage einer Hollywoodgrösse hat Linda Garland auf Bali gerade einen ganzen Ferienhauskomplex errichtet. Wer in Hollywood etwas auf sich hält, gibt sich heute ökologisch und grün. Beim Bau der Häuser hat sie auf alte indonesische Traditionen zurückgegriffen und nur altes Holz und Bambus zum Bau verwendet.
Statement Linda Garland, Environmental Bamboo Foundation:
«Ich weiss, dass man über die Schönheit einer Sache das Interesse an ihr wecken kann. Zuerst sieht man die Schönheit und dann kann man über die Sache reden. Das ist einer der Gründe, weshalb ich Bambus in vielen meiner Projekte gebrauche, zum Beispiel in den Häusern, die ich für David Bowie oder Richard Branson gebaut habe. So kann ich vermitteln, wie wichtig Bambus wirklich ist.»
06:30
Die dekorativen und konstruktiven Möglichkeiten des Bambus sind aber nur ein kleiner Teil dessen, was Bambus zu leisten vermag.
Statement Linda Garland, Environmental Bamboo Foundation:
«Ich verwalte den Genpool der indonesischen Bambusarten – etwas über hundert verschiedene Arten von Bambus wachsen auf meinem Grund.»
Jede der Bambusarten in Linda Garlands Garten verfügt über andere Eigenschaften und birgt so auch unterschiedliche Verwendungszwecke. Heute wird erst eine Minderheit von Bambussorten genutzt, manche Arten sind noch kaum untersucht. Allen ist ein überaus schneller Wuchs gemeinsam: In den Tropen ist ein Wachstum von über einem Meter pro Tag dokumentiert. Das schnelle Wachstum wird ermöglicht durch das besonders nährstoffreiche Wurzelsystem der Pflanze. Bambus ist eine der widerstandsfähigsten und ältesten Pflanzen auf der Erde.
Statement Walter Liese, Professor für Holzbiologie:
«Bambus ist eine faszinierende Pflanze, es ist vielleicht eine der faszinierendsten Pflanzen in der Welt. Es ist ein Gras. Genauso anatomisch aufgebaut in seinen Lebenseigenschaften wie unsere Gräser im Garten. Bei den Gräsern unterscheiden wir zwei Arten: Wir haben einmal das Gras, das den Rasen bildet aus einzelnen Halmen bestehend und dann haben wir ein gras, das horstförmig, klumpartig wächst. Diese beiden Wuchsformen haben wir auch beim Bambus. Aber der Bambus hat unglaubliche biologische Eigenschaften: Er wächst innerhalb von drei bis vier Monaten zu seiner vollen Höhe heran, in den Tropen 20, 30, 35 Meter in drei bis vier Monaten. Das ist einzigartig; es gibt keine Pflanze in der Welt, die so schnell wachsen kann.»
In China hiess es früher, dass wer Bambus pflanze, auch Wasser pflanze. Linda Garland ist dem nachgegangen.
Statement Linda Garland, Environmental Bamboo Foundation:
«Ich habe gelesen, dass Bambus, den Grundwasserpegel anzuheben vermag, zum Beispiel auf Land, das abgeholzt wurde. Ich habe deshalb die Probe gemacht und den Bambus hier auf einer Wasserquelle angebaut, die fast versiegt war. Und seitdem wir den Bambuswald gebaut haben, haben wir über 2,5mal mehr Wasser als vorher. Wasser ist eines der dringlichsten Probleme unseres Planeten. Bäume können ungefähr 35-40% des ihnen zugeführten Wassers nutzen, während Bambus 90% nutzt. Der Bambus besteht aus einer Serie von osmotischen Rohren, die Wasser sehr effizient einlagern. Als die Conquistadoren Südamerika eroberten, machten sie sich das zunutze und schnitten einfach Bambus: Zwischen den beiden Nodien mancher Bambusarten sind bis zu zwei Liter Wasser eingelagert. Ursprünglich dachte ich, Bambus sei in erster Linie das Holz der Zukunft; dann habe ich herausgefunden, dass Bambus auch einen sehr positiven Effekt auf den Grundwasserpegel hat. Aber Bambus ist auch ein Baustoff, den sie jedes Jahr neu ernten können.»
Der Bambus erreicht seine volle Höhe zwar in nur drei bis vier Monaten, geerntet werden sollte er jedoch erst, wenn er nach drei Jahren verholzt ist. Auch sollte nie mehr als ein Drittel der Halme pro Jahr gefällt werden – ansonsten besteht die Gefahr, dass der Bambus abstirbt.
Linda Garland, Environmental Bamboo Foundation:
«Pro Pflanze lassen sich jedes Jahr 10-13 Halme ernten. Man erntet den Bambus beinahe so, wie man Früchte von einem Baum pflückt. Bambus verbreitet sich enorm rasch und ist sehr produktiv.»
Nur wenige Kilometer entfernt von Linda Garlands Bambusstiftung, im Zentrum von Bali, befindet sich das Hauptquartier des Schmuckproduzenten John Hardy. Obwohl 700 Menschen hier arbeiten, sind die Gebäude aus der Ferne kaum von den Reisfeldern der Umgebung zu unterscheiden. Die Gebäude sind hauptsächlich aus Bambus gebaut und, wie ihr Erbauer halb scherzhaft bemerkt, deswegen auch biologisch abbaubar.
Statement John Hardy, CEO John Hardy Jewelry:
«Als ich zuerst nach Bali kam, wohnte ich in einem Bambushaus, das beinahe in sich zusammenfiel. Ich hasste das Bambus-Haus und wollte unbedingt eines aus Backsteinen und Zement. Glücklicherweise traf ich auf Linda Garland, die die Vorzüge des Bambus predigte. Zuerst dachte ich, sie sei verrückt. Doch dann begann ich zuzuhören und ich realisierte, dass dem Bambus die Zukunft gehört. Linda Garland war die Inspiration, für alle meine Bambus-Projekte.»
John Hardy kam 1975 als mittelloser Hippie nach Bali. Heute ist er der fünftgrösste Schmuckverkäufer in den USA: Geschickt vermarktet er seinen Schmuck als nachhaltiges Luxusprodukt mit kompromisslosem Öko-Image. Damit hat er den Nerv der Zeit getroffen. Das Zentrum seiner Produktionsstätte ist der Verkaufsraum: Einem überdimensionierten Phantasie-Schiff nachempfunden besteht das 30 Meter hohe Gebäude nur aus Bambus, Schnur, Stoff und Bienenwachs.
Statement John Hardy, CEO John Hardy Jewelry:
«Indonesien ist für uns das Zentrum der Bambusarchitektur. Wenn ich heute ein Bambushaus in New York errichte, wirft man mich möglicherweise ins Gefängnis. Bauen mit Bambus wird einfach nicht verstanden in einer Gesellschaft, die sich Zement und Beton gewöhnt ist. Indonesien hingegen ist ein idealer Ort, um etwas Neues, Evolutionäres und Revolutionäres zu tun.»
Besonders sichtbar wird Hardys Ansatz neue Technologien mit ökologisch korrekten Materialien zu kombinieren im Rechenzentrum der Firma. Von hier aus wird Kontakt gehalten zu den weltweiten Vertriebsgesellschaften und zur Kundschaft. Natürlich ist auch der Boden aus Bambus und selbst Computer verschwinden wenn immer möglich hinter Bambusdekorationen.
Statement John Hardy, CEO John Hardy Jewelry:
«Es ist eine Herausforderung, ein Haus nur aus Bambus zu bauen: Zum Beispiel den Leim, der giftig sein kann, durch Holznägel zu ersetzen. Wir haben auf das balinesische Wissen um Bambus zurückgegriffen. Die Balinesen sind geborene Genies. Wir haben uns von ihren Konstruktionen beeinflussen lassen; zum Beispiel auch beim Bau unserer Betriebsküche, die ausschliesslich aus Bambus konstruiert ist.»
«Aus unserer Bambusküche haben wir nun auch Erdgas zum Kochen verbannt. Heute kochen wir ausschliesslich mit Sägemehl, Reisschalen und Bambus. Edelstahl ist gegangen, Bambus gekommen... Es ist schon eine unglaubliche Möglichkeit: Die Ent-Globalisierung der Küche und der Welt. Wie verrückt zu glauben, dass gutes Essen nur aus Edelstahlküchen kommen kann.»
In den Tropen ist Bambus das günstigste Baumaterial überhaupt. Dank seiner enormen Zug-, Stoss- und Tragfestigkeit lassen sich aus Bambus auch solide und trotzdem günstige Brücken bauen – wenn man weiss wie... Führender Experte beim Bau moderner Bambusbrücken ist der Deutsche Jörg Stamm.
John Hardy, CEO John Hardy Jewelry:
«Es ist seine bisher schönste Brücke: 22 Meter Stützweite mit einer 45 Meter langen Dachfirst. Erbaut mit gelbem, balinesischem Bambus, durchsetzt von schwarzem Bambus. Eine Brücke der Zukunft, eine wunderbare Konstruktion.»
Statement Jörg Stamm, Bambus Architekt:
«Wenn man sich diese Brücke anschaut, dann kann man sehr deutlich einen Tragbogen sehen und man sieht auch diese Zugelemente, diese Zugstangen, die zu beiden Extremen hingehen; das ist uralt, das gab es auch schon vor Hunderttausenden von Jahren. Die Natur bietet das an, denn Bambus ist enorm zugfest: Wie Stahl. Ein Quadratzentimeter Bambus hat etwa die Zugfestigkeit von Baustahl: 2 Tonnen. Bambus ist so hart wie Eiche, wächst aber dreimal schneller als Fichte. Von daher, wenn man die Energiebilanz sieht, und sie etwa zu anderen Edelhölzern, Tropenhölzern vergleicht, dann macht es nicht nur Sinn mit Bambus zu bauen, dann muss man mit Bambus bauen, weil das ist eine ökologische Alternative.»
Der in Deutschland ausgebildete Tischler Jörg Stamm begeisterte sich früh für Leichtbaukonstruktionen und emigrierte als Entwicklungshelfer nach Kolumbien. Dort begann er sich für Bambuskonstruktionen zu interessieren. So stiess er schliesslich auf Linda Garland, mit der ihn eine lange Arbeitsbeziehung verbindet. Gemeinsam mit Professor Liese haben sich die beiden bemüht, ein Verfahren zu entwickeln und zu propagieren, um Bambus länger haltbar zu machen.
Statement Linda Garland, Environmental Bamboo Foundation:
«Seit Jahrhunderten bauen die Indonesier verblüffende Bambusbrücken. Sie brauchen allerdings kontinuierliche Unterhaltsarbeiten. Man kann sie sich nicht erbauen und dann sich selbst überlassen. Wenn Sie allerdings in der Nähe Bambus anpflanzen, dann fällt das nicht weiter schwer. Wie jedes natürliche Material braucht Bambus Pflege und Unterhalt. Bambus braucht einen Hut, einen Mantel und Stiefel. Bambushalme absorbieren Wasser – also muss man sie vor Wasser schützen. Dann muss man sie vor der direkten Mittagssonneneinstrahlung schützen. Schauen Sie das Dach an: Es ist besser einen langen Überhang zu machen, der den Bambus vor der Mittagssonne schützt. Kurz gesagt: Eine Orchidee stellen sie auch nicht in die Mittagssonne, einen Computer baden sie nicht im Fluss. Man muss die Natur eines Materials verstehen und respektieren.»
Bisher war das grösste Problem beim Verwenden von Bambus als Baumaterial seine Anfälligkeit auf Befall durch Pilze und Insekten. Wenn der Bambus befallen wird, wird geschädigt und schliesslich zerstört.
Statement Walter Liese, Professor für Holzbiologie:
«Pilze brauchen zu ihrem Wachstum Feuchtigkeit, so dass man eine Pilzbefall weitgehend verhindern kann, indem man den Bambus ein trockenes Dach gibt, dass heisst die Oberfläche bedeckt, und einen trockenen Fuss, das heisst, den Bambus nicht direkt in die Erde stellt, sondern auf einen Eisenstock oder eine dauerhafte Holzart, auf einen Zementsockel. Gegen Insekten ist es schwieriger, denn die Insekten ernähren sich von der Stärke, die eine wichtige Komponente im Bambus einnimmt, daraus gewinnt der Bambus die Energie, um so schnell zu wachsen.»
Das von Linda Garland und Walter Liese gemeinsam entwickeltes Verfahren zur umweltfreundlichen Bambuspräservation hat sich heute als das praktikabelste durchgesetzt.
Statement Jörg Stamm, Bambus Architekt:
«Der Bambus hat ja seine Knoten, auf gut deutsch heissen die Diaphragmen, und die müssen halt durchstossen werden, damit die Lösung in den ganzen Bambus rein kann. Man durchstösst sämtliche Knoten bis auf den letzten. Der Letzte bleibt unversehrt und dann kann man den wie ne Kaffeetasse voll von dieser Lösung machen und dann eine perfekte und auch auf Dauer hin wirksame Präservierung mit einem Salz, zum Beispiel auf Borsalz beruhend, damit die Insekten, die sich dann reinfressen wollen, dann gleich Bauchweh bekommen. Dann haben wir ein Gebäude für die Ewigkeit. Natürlich es muss überdacht sein; ein Borsalz zum Beispiel wirkt nur gegen Insekten.»
Diese Behandlung macht die bisher übliche Präservation mit hochgiftigen Holzschutzmitteln hinfällig und Bambus damit als Baumaterial attraktiver. Immer mehr Bambus wird vor allem in China angepflanzt, um aus seinen Fasern Papier und einen baumwollähnlichen Stoff herzustellen. Das beginnt auch in Indonesien das bisher eher geringe Interesse der Behörden zu wecken. Arif Rabik, Linda Garlands Sohn, trägt einer balinesischen Regierungsdelegation vor, was Bambus alles zu leisten vermag. Bambus ist allen Balinesen seit Kindesbeinen an vertraut, doch viele seiner Möglichkeiten sind den meisten noch neu.
Statement Arif Rabik, www.indobamboo.com:
«Jetzt gibt es dieses ganze Konzept vom ‚Neuen Bambus’. Der ‚alte Bambus’ so wie er in Indonesien bis anhin genutzt wurde, war ein provisorisches Material – er hielt fünf oder vielleicht zehn Jahre. Heute kann man den Bambus durch richtige Behandlung haltbar machen. Ich wende diesen Bambus an beim Design und der Herstellung von kostengünstigen Sozialhäusern aus Bambus. Weil der Bambus von Natur aus elastisch ist, sind diese Häuser erdbebensicher. Indonesien ist eine Erdbebenzone und das muss man beim Hausbau berücksichtigen.»
Statement Linda Garland, Environmental Bamboo Foundation:
«Früher waren 60% aller Häuser auf Java und Bali aus Bambus. Bei Erdbeben oder Vulkanausbrüchen kam das den Bewohnern zugute, denn die Häuser tanzten ohne einzustürzen. Die Backstein-Häuser hingegen, die heute gebaut werden, stürzen einfach in sich zusammen.»
Statement Arif Rabik, www.indobamboo.com:
«Leute, deren Backsteinhäuser zum Beispiel bei Erdbeben in Yogyakarta 2006 zerstört wurden, erbauen wieder Backsteinhäuser, weil sie glauben, dies sei der einzige zukunftsträchtige Weg. Bambushäuser konstruiert man anders als solche aus Stahl, denn Bambus ist ein ganz anderes Material. Die neuen Erkenntnisse im Bambusbau haben wir bei unserem Sozialhaus umgesetzt. Zum Beispiel haben wir die Verbindungsstellen nach Erkenntnissen aus den Erdbebengebieten in Kolumbien gestaltet. So halten die Häuser jetzt auch einem Erdbeben von bis zu 7.0 auf der Richterskala stand.»
Statement Linda Garland, Environmental Bamboo Foundation:
«Wenn Sie die physikalischen Eigenschaften von Bambus einer neuen ‚Superfaser’ zuschreiben und diese dann Baubehörden und Bauunternehmern präsentieren würden, dann würden alle diese neue ‚Superfaser’ wollen. Wenn Sie ihre Gesprächspartner dann aber sagen würden: Sie kennen die Superfaser bereits, sie heisst Bambus, dann wären sie schockiert. Die konstruktiven Eigenschaften von Bambus werden nicht genug verstanden. Bambus ist den meisten nur als Baumaterial für Arme bekannt. Dabei könnte Bambus gerade heute sehr nützlich sein.»
«Bambus wächst jedes Jahr enorm und absorbiert deswegen viel mehr Kohlendioxid als Bäume und andere Pflanzen. Bambus ist extrem produktiv: Mein Bambuswald ist buchstäblich eine Sauerstoffmaschine. Wichtig ist auch, dass Bambus keine Düngemittel benötigt, er erzeugt so viele Blätter, dass er keinen braucht. Das ist wichtig, wenn sie Bambus über Wasseradern pflanzen, denn Sie wollen ja nicht unbedingt Chemikalien im Grundwasser. Dann können die Bambuswurzeln auch Bodenerosion verhindern – das machen sich die Japaner schon seit Jahrtausenden zunutze.»
«Wenn Bambus also Wasservorkommen verdoppeln und Sauerstoffkonzentrationen verdreifachen kann, dann ist das schon ziemlich bemerkenswert in einer Zeit der globalen Erwärmung, in der es gilt, den Planeten zu reparieren.» (- 23:31)
Auch in Thailand hat die Verwendung von Bambus eine lange Tradition.
Der Norden des Königreichs ist gebirgig und arm. Während der Trockenzeit sind Brandrodungen hier alltäglich. Der Bevölkerungszuwachs ist gross und Brandrodungen machen das Land schnell für den Nahrungsmittelanbau bereit. Mit dem Verlust des Waldes erodiert das Land allerdings schnell.
Der ursprüngliche Wald wurde dabei schon in den letzten Jahrzehnten abgeholzt und immer häufiger fallen dem Feuer auch Bambuswälder, die später auf dem abgeholzten Land wuchsen, zum Opfer. Im Grenzgebiet zum unruhigen Burma siedeln Bergstämme – viele von ihnen sind vor den kriegerischen Auseinandersetzungen in Burma geflohen. Holz ist bereits zur Mangelware geworden und ihr Leben hier ist von Armut geprägt.
Um den Bergstämmen zu helfen, wurde hier in der Berglandschaft von Angkhang im Norden Thailands das erste königliche Landwirtschaftsprojekt gegründet. Der königliche Blumengarten zieht Hochzeitspaare und Touristen an. Eigentliches Ziel des Projektes ist es, den Bergstämmen zu grösserem Wissen über die Pflanzenwelt zu verhelfen und sie mit Sprösslingen - etwa von Bambus – für den Anbau zu versorgen.
Statement Kajorn Suriya, Royal Station Angkhang:
«1969 wurde das Königliche Landwirtschaftsprojekt hier gegründet. Wir begannen uns schon damals für nachhaltiges und schnell wachsendes lokales Baumaterial zu interessieren. Da bot sich Bambus an. Die Bergstämme hatten Bambus bereits in ihrem Alltag gebraucht, um etwa damit ihre Häuser zu bauen. So bauen wir auch unsere neue Baumschule wieder aus Bambus. Wir ermuntern die Bergstämme, mehr Bambus anzupflanzen, weil sich damit die Bodenerosion stoppen lässt.»
Bambus blüht je nach Art nur alle Jahrzehnte. Nach der Blüte stirbt der Bambus ab. Bambus wird deshalb nicht angesät, sondern meist geklont. Dazu wird ein blatttreibender Halm in Stücke gesägt, die jeweils zwei intakten Nodien aufweisen. Diese Bambusstücke werden dann mit Wasser gefüllt.
Anschliessend werden die Bambusstücke ins Erdreich gegeben, wo sie schon bald auszuschlagen beginnen.
Wahlweise lassen sich einseitig offene Bambusstücke auch schräg vertikal einpflanzen und mit Wasser füllen.
Die jungen Bambusse werden ausgetopft und den Bergstämmen gratis zum Pflanzen zur Verfügung gestellt. Einzige Bedingung ist, dass die Empfänger einige Jahre später, der Baumschule wieder dieselbe Anzahl Bambussprösslinge zurückerstatten. So wird ein nachhaltiger Kreislauf initiiert.
Die kälteresistenten Bambusse, die im Berggebiet von Angkhang angepflanzt werden, stammen meist aus den temperierten Zonen in China, Nordindien, Bhutan und Burma.
Es gibt weit über 1000 verschiedene Arten von Bambus: Darunter auch diesen nahezu viereckigen Bambus.
Andere Bambusarten überzeugen durch ihre schönen Muster...
... oder ihren speziellen Wuchs wie dieser bauchige Bambus: Buddha Bauch Bambus genannt.
Besonders begehrt sind der dekorative grosse schwarze Bambus...
... und der goldene Bambus.
Keine Frage: Das uralte Material Bambus wird neu entdeckt. Davon zeugen auch neue «grüne» Luxusresorts wie das Phu Chaisai Mountain Resort an der thailändisch-laotischen Grenze, das von einer thailändischen Prinzessin inmitten ausgedehnter Bambuswälder errichtet wurde. Die ganze Hotelanlage besteht im Wesentlichen aus Bambus, Lehm und etwas Holz.
Statement M.L. Sudavdee Kriangkrai, Phu Chaisai Mountain Resort:
«Ich bin von Bambuswäldern umgeben. Und seit ich ein Kind war, liebe ich Bambus. Ich liebe die Dächer aus Bambus. Also entschloss ich mich dieses Resort aus Bambus zu bauen. Nachdem ich das gegen viele Widerstände gemacht hatte, beginnen sich jetzt viele Thailänder für das Resort zu interessieren. Vorallem die Jungen schätzen mein Resort sehr und das macht mich glücklich. Denn gerade die Jungen brauchen wieder mehr Kontakt zur Natur.»
Rund zwei Drittel der Gäste kommen aus Bangkok, um sich im naturnahen Hotel zu erholen – zum Beispiel in einer solchen Hängematte, bestehend aus einem einzigen grossen Bambushalm.
Statement M.L. Sudavdee Kriangkrai, Phu Chaisai Mountain Resort:
«Es ist mir wichtig, dass die Thailänder, dass alle wieder lernen, wie wertvoll Bambus ist und was man alles mit Bambus machen kann, wenn man den Bambus nur richtig behandelt und pflegt. Bambus ist so leicht und stark – sie können damit Gebäude konstruieren, sie können daraus die Innendekoration und die Möbel machen – einfach alles.»
Statement Linda Garland, Environmental Bamboo Foundation:
«Bambus kann so vieles, was andere Pflanzen nicht können. Es ist der Gurkha-Krieger im Pflanzenreich. Bambus wächst auf jedem Untergrund, selbst auf kaputten und verseuchten Böden und er vermehrt sich so leicht. In einer Zeit knapper werdender Ressourcen und Überbevölkerung brauchen wir Pflanzen, die schnell wachsen und sehr produktiv sind, damit sie mit dem Ausmass der Umweltzerstörung mithalten können. Bambus, diese Wunderpflanze der Natur kann uns helfen; nicht wir Menschen lösen die Probleme, sondern die Natur.»
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